Gunnar Drucklieb • 22. Mai 2026

Schamanische Abende – Warum sie für viele Menschen heute so wertvoll geworden sind

Viele Menschen merken heute, dass ihnen im Alltag etwas fehlt. Und damit ist oft nicht noch mehr Wissen gemeint, nicht noch ein weiterer Podcast, nicht noch ein neues Buch oder irgendein Selbstoptimierungsprogramm. Was vielen fehlt, ist echte Verbindung. Verbindung zu sich selbst. Zum eigenen Körper. Zu anderen Menschen. Und manchmal einfach das Gefühl, für einen Moment aus diesem ständigen Funktionieren auszusteigen.


Genau deshalb können schamanische Abende für viele Menschen unglaublich wertvoll sein.


Denn die meisten Menschen leben heute dauerhaft unter Spannung. Arbeit, Termine, Handy, Nachrichten, soziale Medien, Erwartungen, Verantwortung. Selbst Freizeit fühlt sich oft nicht mehr wirklich frei an. Viele merken irgendwann, dass sie zwar irgendwie „laufen“, aber innerlich erschöpft sind. Man funktioniert. Aber man fühlt sich nicht mehr richtig lebendig. Und genau an diesem Punkt entsteht bei vielen die Sehnsucht nach etwas anderem. Nach Ruhe. Nach Tiefe. Nach echten Erfahrungen.

Schamanische Abende schaffen dafür einen Raum.


Dabei geht es nicht darum, irgendetwas darzustellen oder plötzlich ein „spiritueller Mensch“ zu werden. Und es geht auch nicht darum, irgendwelche Rollen zu spielen. Viele Menschen haben beim Wort Schamanismus zunächst ein komisches Bild im Kopf. Irgendwelche verkleideten Menschen, die abgehoben wirken oder nur noch in Rätseln sprechen. Die Realität sieht oft ganz anders aus.

In einem guten schamanischen Abend geht es vor allem darum, wieder bei sich selbst anzukommen.


Menschen sitzen gemeinsam in einem Kreis. Man kommt erstmal an. Atmet durch. Lässt den Tag langsam los. Vielleicht wird geräuchert, vielleicht getrommelt, vielleicht gibt es eine geführte schamanische Reise oder eine Reflexionsübung. Aber das Entscheidende ist oft gar nicht die Methode selbst. Sondern das, was dadurch entsteht.


Ruhe.


Präsenz.


Ehrlichkeit.


Viele Menschen merken schon nach kurzer Zeit, wie selten sie eigentlich wirklich still sind. Wie selten sie einfach nur da sitzen, ohne gleichzeitig irgendetwas erledigen zu müssen. Manche merken erst dort, wie angespannt ihr Körper eigentlich die ganze Zeit ist. Andere spüren zum ersten Mal seit Langem wieder Gefühle, die im Alltag ständig überdeckt werden. Und genau das macht solche Abende gerade für Neulinge so wertvoll.


Denn viele Menschen suchen heute nach etwas, das sie wieder mehr mit sich selbst verbindet, wissen aber gar nicht genau, wo sie anfangen sollen. Schamanische Abende können ein sehr sanfter Einstieg sein. Niemand muss irgendetwas glauben. Niemand muss Vorerfahrung haben. Niemand muss besonders „spirituell“ sein. Oft reicht einfach die Bereitschaft, sich auf den Abend einzulassen und offen zu schauen, was passiert.


Viele Neulinge erleben dabei etwas Überraschendes: Dass Schamanismus gar nichts mit Weltflucht zu tun haben muss. Sondern häufig eher das Gegenteil ist. Es geht oft darum, sich selbst wieder bewusster wahrzunehmen. Den eigenen Körper wieder zu spüren. Die eigene Intuition ernster zu nehmen. Die Verbindung zur Natur wieder zu entdecken. Und auch wieder bewusster mit den eigenen Gefühlen umzugehen.


Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen permanent im Kopf leben, kann das unglaublich wohltuend sein.

Gleichzeitig sind solche Abende aber nicht nur für Menschen spannend, die neu in diesem Bereich sind. Auch Menschen mit Erfahrung können daraus unglaublich viel mitnehmen.


Denn viele, die sich schon länger mit Spiritualität oder Schamanismus beschäftigen, kennen ebenfalls das Problem, sich im Alltag zu verlieren. Auch erfahrene Menschen haben Stress. Auch erfahrene Menschen zweifeln manchmal. Auch erfahrene Menschen brauchen Räume, in denen sie einfach mal wieder runterfahren können. Und genau das passiert bei solchen Abenden oft.


Man muss nicht leisten.


Man muss nicht funktionieren.


Man muss nicht die ganze Zeit stark sein.


Viele Menschen erleben es heute als unglaublich entlastend, einfach ehrlich sein zu dürfen. Ohne Bewertung. Ohne Druck. Ohne das Gefühl, sich beweisen zu müssen. Gerade dieses gemeinsame Erleben in einer Gruppe hat oft eine enorme Wirkung. Weil man merkt: Andere Menschen kämpfen auch mit ähnlichen Themen. Andere fühlen sich manchmal ebenfalls erschöpft, überfordert oder innerlich abgeschnitten.Dadurch entsteht oft etwas sehr Bodenständiges und Echtes.


Und vielleicht ist genau das einer der wichtigsten Punkte: Gute schamanische Abende holen Menschen nicht aus dem Leben heraus, sondern wieder näher hinein. Sie helfen vielen Menschen dabei, wieder bewusster zu fühlen, klarer wahrzunehmen und mehr Verbindung zu sich selbst aufzubauen.


Manche gehen nach so einem Abend nach Hause und schlafen das erste Mal seit Wochen wieder richtig tief. Andere merken plötzlich, wie sehr sie eigentlich ständig unter Strom stehen. Andere nehmen einfach nur das Gefühl mit, mal wirklich durchgeatmet zu haben.

Und manchmal entstehen auch tiefere Prozesse. Alte Themen tauchen auf. Emotionen kommen hoch. Neue Erkenntnisse entstehen. Aber immer in einem Rahmen, der getragen und bewusst gestaltet ist.



Besonders wertvoll ist dabei oft die Mischung aus Gemeinschaft und persönlicher Erfahrung. Denn viele Menschen fühlen sich heute trotz sozialer Kontakte innerlich alleine. Man schreibt Nachrichten, scrollt durch Feeds und redet den ganzen Tag mit Menschen — aber echte Verbindung entsteht dabei oft kaum noch.


Ein gemeinsamer Kreis kann deshalb etwas unglaublich Kraftvolles sein.

Nicht, weil dort plötzlich alles perfekt wird. Sondern weil Menschen dort wieder Mensch sein dürfen.

Mit allem, was gerade da ist.


Und genau deshalb können schamanische Abende heute für viele Menschen ein wichtiger Gegenpol zum hektischen Alltag sein. Nicht als Flucht vor dem Leben. Sondern als Möglichkeit, sich selbst wieder etwas näherzukommen.

von Gunnar Drucklieb 14. Mai 2026
Es gibt eine unangenehme Wahrheit innerhalb der spirituellen Szene, über die nur wenige offen sprechen. Vielleicht weil sie unbequem ist. Vielleicht weil sie viele Menschen triggert. Vielleicht aber auch, weil sie uns zwingt, ehrlicher auf uns selbst zu schauen. Denn nicht alles, was spirituell aussieht, ist wirklich Spiritualität. Und nicht jede Person, die Räucherwerk benutzt, Mantras spricht, schamanische Reisen macht oder von Bewusstsein redet, befindet sich tatsächlich auf einem Weg tiefer Begegnung mit sich selbst. Manchmal geschieht genau das Gegenteil. Manchmal wird Spiritualität zu einer der elegantesten Formen der Flucht. Das klingt hart. Aber wenn wir ehrlich sind, sehen wir es überall. Menschen, die ständig von Licht sprechen, aber nie über ihre Wut. Menschen, die von Liebe reden, aber unfähig sind, echte Nähe auszuhalten. Menschen, die von Heilung sprechen, während sie jeden Konflikt vermeiden. Menschen, die sich „hochentwickelt“ nennen, aber einfache Kritik sofort als Angriff erleben. Menschen, die jede Schwierigkeit energetisieren, anstatt Verantwortung zu übernehmen. Und Menschen, die in Ritualen, Karten, Zeichen und kosmischen Botschaften versinken, weil die Realität ihres eigentlichen Lebens kaum noch auszuhalten ist. Spiritualität kann wunderschön sein. Tief. Transformierend. Heilsam. Sie kann Menschen zurück in Verbindung bringen – mit sich selbst, mit der Natur, mit dem Leben. Aber sie kann eben auch zu einer Bühne werden. Zu einer Identität. Zu einer ästhetischen Verpackung für ungelöste innere Konflikte. Zu einer spirituellen Maske. Und genau dort beginnt etwas Gefährliches. Denn echte Spiritualität macht das Ego nicht größer. Sie macht es durchlässiger. Echter. Ehrlicher. Sie führt nicht automatisch dazu, sich besonders zu fühlen, sondern oft zunächst dazu, sich selbst überhaupt einmal wirklich zu begegnen. Mit all den Anteilen, die man jahrelang verdrängt hat. Mit Scham. Mit Angst. Mit Trauer. Mit Einsamkeit. Mit Wut. Mit dem inneren Chaos. Mit der Erkenntnis, dass man eben nicht immer „im Licht“ ist. Viele Menschen kommen überhaupt erst auf einen spirituellen Weg, weil sie verletzt wurden. Weil etwas in ihrem Leben zerbrochen ist. Eine Beziehung. Eine Identität. Ein Weltbild. Ein Gefühl von Sicherheit. Und daran ist nichts falsch. Im Gegenteil. Schmerz öffnet oft Türen, die vorher verschlossen waren. Krisen können Bewusstsein erweitern. Doch genau an diesem Punkt entsteht eine entscheidende Frage: Nutze ich Spiritualität, um tiefer in mein Menschsein hineinzuwachsen? Oder nutze ich sie, um meinem Menschsein auszuweichen? Das ist ein gewaltiger Unterschied. Denn es gibt eine Form von Spiritualität, die sich anfühlt wie ein schwebender Raum oberhalb des Lebens. Dort wird alles positiv umgedeutet. Alles ist „eine Lektion“. Alles hat „eine hohe Schwingung“. Alles soll leicht sein. Liebevoll. Friedlich. Harmonisch. Aber oft ist diese Harmonie teuer erkauft. Nämlich durch das Verdrängen all dessen, was unbequem ist. Der amerikanische Psychologe John Welwood prägte dafür einmal den Begriff „Spiritual Bypassing“. Spirituelle Umgehung. Gemeint ist damit die Tendenz, spirituelle Konzepte oder Praktiken zu benutzen, um psychischen Schmerz, ungelöste Traumata oder emotionale Konflikte nicht fühlen zu müssen. Und genau das sieht man heute immer häufiger. Da wird meditiert, statt Grenzen zu setzen. Da wird vergeben, obwohl der Schmerz nie verarbeitet wurde. Da wird gelächelt, obwohl der Mensch innerlich zusammenbricht. Da wird ständig „losgelassen“, weil man nie gelernt hat, wirklich zu fühlen. Manche Menschen sprechen stundenlang über Energien, aber können nicht ehrlich sagen: „Ich bin verletzt.“ Manche reden über Bewusstseinserweiterung, aber schaffen es nicht, sich bei einem Menschen zu entschuldigen. Manche wollen die ganze Welt heilen, weil sie der eigenen inneren Leere nicht begegnen wollen. Und genau deshalb ist echte spirituelle Arbeit oft viel bodenständiger, als viele denken. Ein schamanischer Weg beispielsweise bedeutet nicht, ständig in anderen Welten unterwegs zu sein. Er bedeutet nicht, sich aus der Realität zu lösen oder nur noch in Symbolen zu sprechen. Ein echter schamanischer Weg macht das Leben oft unmittelbarer. Ehrlicher. Roh. Man beginnt zu spüren, wo man sich selbst belügt. Wo man Rollen spielt. Wo man sich hinter Konzepten versteckt. Wo man etwas darstellen möchte. Wo das eigene Ego plötzlich sogar die Spiritualität benutzt, um sich überlegen zu fühlen. Denn auch das ist eine der großen Fallen spiritueller Szenen: spiritueller Narzissmus. Die Vorstellung, „weiter“ zu sein als andere. Bewusster. Erwachter. Reiner. Spiritueller. Plötzlich wird Spiritualität nicht mehr zu einem Weg der Verbindung, sondern zu einer subtilen Hierarchie. Menschen vergleichen sich über Bewusstseinszustände, Rituale, Ausbildungen oder „energetische Fähigkeiten“. Und manchmal wirkt genau das erstaunlich unspirituell. Denn je tiefer ein Mensch wirklich wird, desto weniger Bedürfnis entsteht meist, sich über andere zu stellen. Tiefe Menschen wirken oft überraschend normal. Sie müssen nicht ständig beweisen, wie bewusst sie sind. Sie müssen nicht permanent über ihre Spiritualität reden. Sie strahlen etwas anderes aus: Präsenz. Ruhe. Ehrlichkeit. Menschlichkeit. Vielleicht ist genau das eines der stärksten Zeichen echter spiritueller Entwicklung: dass ein Mensch wieder einfacher wird. Weniger Inszenierung. Weniger Fassade. Weniger künstliche Bedeutung. Mehr echtes Leben. Denn Spiritualität zeigt sich nicht nur in Zeremonien oder Ritualen. Sie zeigt sich darin, wie man mit Menschen umgeht. Wie man spricht. Wie man zuhört. Wie man mit Macht umgeht. Wie man mit Fehlern umgeht. Wie man mit Schmerz umgeht. Wie man mit Kritik umgeht. Ob man bereit ist, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Ein Mensch kann stundenlang trommeln und trotzdem emotional unreif sein. Ein Mensch kann hunderte Bücher über Bewusstsein gelesen haben und trotzdem nicht mit Nähe umgehen können. Ein Mensch kann Räucherbündel verkaufen und gleichzeitig tief manipulativ sein. Und gleichzeitig kann ein anderer Mensch zutiefst spirituell sein, ohne jemals dieses Wort zu benutzen. Vielleicht sitzt dieser Mensch morgens einfach still mit einem Kaffee im Garten und betrachtet den Nebel über den Feldern. Vielleicht behandelt er andere Menschen mit Würde. Vielleicht hört er wirklich zu. Vielleicht hat er gelernt, seine Dunkelheit nicht mehr auf andere zu werfen. Vielleicht beginnt genau dort Spiritualität. Nicht im Abheben. Sondern im Ankommen. Nicht im Wegfliegen aus der Welt. Sondern im tieferen Hineingehen. Denn ein echter Weg führt selten nur nach oben. Oft führt er zuerst nach unten. In die eigenen Schatten. In verdrängte Gefühle. In Unsicherheit. In Angst. In alte Wunden. Das ist nicht glamourös. Nicht Instagram-tauglich. Nicht immer schön. Aber es ist menschlich. Und vielleicht brauchen wir genau deshalb wieder eine geerdetere Spiritualität. Eine, die nicht dauernd versucht, dem Dunklen zu entkommen. Eine, die den Menschen nicht vom Menschsein erlösen will. Eine, die nicht ständig nach Erleuchtung jagt, sondern nach Wahrhaftigkeit. Vielleicht ist Spiritualität am Ende gar nicht die Kunst, außergewöhnlich zu werden. Vielleicht ist sie die Kunst, endlich echt zu werden.
von Gunnar Drucklieb 25. März 2026
Was steckt hinter toxischer Männlichkeit? Die schamanische Perspektive erklärt Ursachen, fordert Verantwortung und zeigt Wege zur Transformation. Toxische Männlichkeit ist nicht entschuldbar – aber erklärbar.