Gunnar Drucklieb • 31. März 2024

Inneres Kind und Schamanismus

Das innere Kind

Das Konzept des “Inneren Kinds” ist eine Metapher, die in der Psychotherapie verwendet wird, um die inneren Erlebniswelten von Menschen zu beschreiben. Das Innere Kind steht für alle Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen, die man in seiner Kindheit gemacht hat und die im Gehirn gespeichert sind. Dazu gehören sowohl positive als auch negative Emotionen, wie Freude, Schmerz, Glück, Traurigkeit, Angst oder Wut. Das Innere Kind umfasst auch die Einstellungen und Überzeugungen, die man aus seiner Kindheit abgeleitet hat, und die das eigene Fühlen, Denken und Handeln beeinflussen.

 

Die Arbeit mit dem Inneren Kind soll helfen, die seelischen Wunden aus der Vergangenheit zu heilen, die falschen oder dysfunktionalen Glaubens- und Lebensmuster zu erkennen und zu verändern, und einen liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen zu fördern. Dabei wird eine bewusste Ich-Spaltung zwischen dem beobachtenden, reflektierenden Erwachsenen-Ich und dem erlebenden Inneren Kind vorgenommen. Das Erwachsene-Ich soll dem Inneren Kind die emotionale Zuwendung geben, die in der Kindheit gefehlt hat, und es unterstützen, seine Bedürfnisse zu erfüllen


Das Konzept des Inneren Kinds wurde von verschiedenen Autoren und Therapierichtungen aufgegriffen und weiterentwickelt. Es gibt daher keine einheitliche Definition oder Methode, sondern verschiedene Ansätze, die das Innere Kind mit anderen inneren Elementen verbinden, wie zum Beispiel dem Inneren Erwachsenen, dem Inneren Regisseur, dem Hilfreichen Wesen oder dem guten, sicheren Ort. Das gemeinsame Ziel dieser Ansätze ist es, das Innere Kind zu verstehen, zu akzeptieren und zu integrieren, um eine harmonische Persönlichkeit zu entwickeln


Tor zur Heilung und Verbindung mit dem Schamanismus

Die Beziehung zu unserem inneren Kind ist eine wichtige Quelle für unsere psychische Gesundheit, unser Selbstwertgefühl und unsere Lebensfreude. Unser inneres Kind steht für unsere ursprüngliche Persönlichkeit, unsere natürlichen Bedürfnisse und unsere authentischen Gefühle. Doch oft ist unser inneres Kind verletzt, vernachlässigt oder unterdrückt worden, weil wir in unserer Kindheit negative Erfahrungen gemacht haben, die uns geprägt haben. Diese Erfahrungen können zu Traumata, Ängsten, Schuldgefühlen, Scham, Wut oder Depressionen führen, die uns auch im Erwachsenenalter beeinträchtigen.

 

Um unser inneres Kind zu heilen, müssen wir den Kontakt zu ihm wiederherstellen, ihm zuhören, ihm Verständnis, Liebe und Fürsorge schenken und ihm helfen, die alten Wunden zu heilen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist die Innere Kind Arbeit, die verschiedene Methoden der Psychotherapie, der Selbsterfahrung und der Meditation umfasst. Die Innere Kind Arbeit hilft uns, unser wahres Selbst zu entdecken, unsere Potentiale zu entfalten und unser Leben nach unseren eigenen Werten und Zielen zu gestalten.

 

Eine andere Möglichkeit, die Heilung unseres inneren Kindes zu unterstützen, ist der Therapeutische Schamanismus. Der Therapeutische Schamanismus ist eine Form der spirituellen Heilkunst, die auf den alten Traditionen der indigenen Völker basiert. Der Therapeutische Schamanismus nutzt die Kraft der schamanischen Reise, um in Kontakt mit der geistigen Welt zu treten, die uns Weisheit, Führung und Heilung schenken kann. Der Therapeutische Schamanismus hilft uns, unsere innere Kraft zu stärken, unsere Schattenanteile zu integrieren und unsere Verbundenheit mit allem Leben zu spüren.

 

In diesem Text werden wir uns näher mit der Inneren Kind Arbeit und dem Therapeutischen Schamanismus beschäftigen und zeigen, wie sie uns helfen können, unser inneres Kind zu heilen und unser Leben zu bereichern.

Innere Kind Arbeit ist folglich ein Prozess der Selbsterforschung und Heilung, der darauf abzielt, mit dem inneren Kind in Kontakt zu treten, es zu verstehen und zu heilen. Durch diesen Prozess können wir:

  • Verletzungen aus der Kindheit aufdecken und verarbeiten: Traumata und negative Erfahrungen aus der Kindheit können uns im Erwachsenenalter noch immer beeinflussen. Innere Kind Arbeit ermöglicht es uns, diese Erfahrungen anzuschauen und zu heilen, um freier und glücklicher zu leben.
  • Unsere Bedürfnisse besser verstehen: Das innere Kind hat bestimmte Bedürfnisse, die in der Kindheit oft nicht erfüllt wurden. Innere Kind Arbeit hilft uns, diese Bedürfnisse zu erkennen und zu lernen, sie im Erwachsenenalter selbst zu erfüllen.
  • Unser Selbstwertgefühl stärken: Das innere Kind trägt oft negative Glaubenssätze über sich selbst. Innere Kind Arbeit hilft uns, diese Glaubenssätze zu erkennen und durch positive zu ersetzen.
  • Unsere Beziehungen verbessern: Innere Kind Arbeit kann uns helfen, unsere Beziehungen zu anderen Menschen zu verbessern, indem wir lernen, unsere eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer besser zu verstehen und zu kommunizieren.

 

Methoden der Inneren Kind Arbeit

Imaginationsübung:

  • Visualisierung eines sicheren Ortes: Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem Sie sich vollkommen sicher und geborgen fühlen. Dies kann ein realer Ort sein oder ein Fantasieort. Visualisieren Sie alle Details dieses Ortes: die Farben, die Geräusche, die Gerüche und die Empfindungen.
  • Begegnung mit dem inneren Kind: Stellen Sie sich vor, dass Sie an diesem sicheren Ort Ihrem inneren Kind begegnen. Wie sieht es aus? Wie alt ist es? Was fühlt es?
  • Heilung und Integration: Geben Sie Ihrem inneren Kind die Liebe und Unterstützung, die es in der Kindheit gebraucht hätte. Sie können ihm sagen, dass es in Sicherheit ist und dass Sie es bedingungslos lieben. Sie können auch mit ihm spielen, ihm etwas vorlesen oder einfach nur Zeit mit ihm verbringen.

Schreiben:

  • Brief an das innere Kind: Schreiben Sie einen Brief an Ihr inneres Kind, in dem Sie ihm alles sagen, was Sie ihm schon immer sagen wollten. Sie können sich für die erlebten Schmerzen entschuldigen, ihm Liebe und Mitgefühl entgegenbringen und ihm versichern, dass Sie in Zukunft besser für es sorgen werden.
  • Tagebuch: Schreiben Sie in einem Tagebuch über Ihre Erfahrungen mit der Inneren Kind Arbeit. Was sind Ihre Gefühle? Welche Erinnerungen kommen hoch? Welche Fortschritte machen Sie?

Körperarbeit:

  • Atemübungen: Atemübungen helfen, den Körper zu entspannen und emotionale Blockaden zu lösen. Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch und die andere auf Ihre Brust. Atmen Sie tief und langsam durch die Nase ein und aus. Spüren Sie, wie sich Ihr Bauch mit jedem Atemzug hebt und senkt.
  • Yoga: Yoga ist eine weitere Möglichkeit, den Körper zu entspannen und die emotionale Verbindung zum inneren Kind zu fördern. Verschiedene Yoga-Posen können helfen, bestimmte Emotionen zu lösen und das innere Kind zu nähren.

Therapeutisches Malen:

  • Malen Sie ein Bild von Ihrem inneren Kind: Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und malen Sie ein Bild von Ihrem inneren Kind. Wie sieht es aus? Was fühlt es?
  • Gestalten Sie ein Krafttier: Gestalten Sie Ihr Krafttier aus Ton, Pappe, Farbe oder anderen Materialien. Lassen Sie sich von Ihrer Intuition leiten und geben Sie Ihrem Krafttier eine Form, die Ihnen gefällt.

 

Oder auch schamanische Techniken

Wie ihr alle wisst, ist Schamanismus u.a. eine spirituelle Praxis, die auf die Verbindung mit der Anderswelt und den Geistern zielt. Aber auch auf die Verbindung zu uns selber. SchamanInnen nutzen verschiedene Techniken, um diese Verbindung zu erreichen, wie z.B. Rituale, Trommeln und Trance.

Verbindung von Innerer Kind Arbeit und Schamanismus:

Die Arbeit mit dem inneren Kind und der Schamanismus haben viel gemeinsam. Beide zielen darauf ab, die eigene Person zu heilen und zu transformieren.


Schamanische Techniken können in der Inneren Kind Arbeit auf verschiedene Weise eingesetzt werden, um:

  • Zugang zum inneren Kind zu erleichtern: Schamanische Rituale und Trancereisen können uns helfen, in Kontakt mit unserem inneren Kind zu treten und seine Bedürfnisse und Emotionen besser zu verstehen.
  • Verletzungen aus der Kindheit heilen: Schamanische Techniken wie Seelenrückholung und Extraktion können uns helfen, Traumata und negative Erfahrungen aus der Kindheit zu heilen.
  • Innere Ressourcen stärken: Schamanische Rituale und Krafttiere können uns helfen, unsere inneren Ressourcen zu stärken und unsere Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
  • Verbindung mit der Anderswelt: Schamanische Reisen können uns helfen, mit der Anderswelt und den Geistern in Kontakt zu treten, um Unterstützung und Heilung für unser inneres Kind zu erhalten.

Innere Kind Arbeit und Schamanismus können einander ergänzen und bereichern. Durch die Verbindung dieser beiden kraftvollen Ansätze können wir tiefgreifende Heilung und Transformation erfahren.

Hinweis:

Die Arbeit mit dem inneren Kind und der Schamanismus sind tiefgreifende Prozesse, die am besten mit Unterstützung eines erfahrenen Therapeuten oder Schamanen durchgeführt werden sollten.

 

Beispiel für Innere Kind Arbeit mit schamanischen Elementen

Thema: Innere Leere und mangelndes Selbstwertgefühl

Klient: Lukas, 42 Jahre alt

Vorgeschichte: Lukas leidet seit vielen Jahren unter innerer Leere und mangelndem Selbstwertgefühl. Er hat das Gefühl, nicht gut genug zu sein und seinen Platz im Leben nicht zu finden.

Ziel: Lukas möchte seine innere Leere überwinden und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln. Er möchte seinen Lebenssinn finden und seine Potenziale entfalten.

Innere Kind Arbeit:

  • Kontakt zum inneren Kind herstellen: Lukas wird in einer geführten Meditation eingeladen, seinem inneren Kind zu begegnen. Er trifft einen kleinen Jungen, der traurig und einsam ist.
  • Bedürfnisse des inneren Kindes verstehen: Lukas erfährt, dass das innere Kind sich nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit sehnt. Es braucht Unterstützung und Ermutigung, um seine innere Leere zu überwinden und sein Selbstwertgefühl zu stärken.
  • Heilung der emotionalen Wunden: Lukas heilt die emotionalen Wunden des inneren Kindes, indem er ihm Liebe und Akzeptanz schenkt. Er versichert dem inneren Kind, dass es gut genug ist und dass er es immer unterstützen wird.
  • Stärkung des inneren Erwachsenen: Lukas stärkt seinen inneren Erwachsenen, damit er das innere Kind beschützen und ihm die Ressourcen geben kann, die es braucht, um seine innere Leere zu überwinden und sein Selbstwertgefühl zu stärken.

Schamanische Elemente:

  • Krafttier: Lukas erhält in einer schamanischen Reise ein Krafttier, das ihm Kraft und Mut gibt. Das Krafttier ist ein Bär, der für Stärke und Widerstandsfähigkeit steht.
  • Seelenrückholung: Lukas führt eine Seelenrückholung durch, um einen Teil seiner Seele zurückzugewinnen, der verloren gegangen ist, als er in der Kindheit eine traumatische Erfahrung gemacht hat.
  • Rituale: Lukas führt verschiedene Rituale durch, um die Verbindung zu seinem inneren Kind zu stärken, seine innere Leere zu überwinden und sein Selbstwertgefühl zu stärken.

Ergebnis:

Durch die Arbeit mit dem inneren Kind und die schamanischen Elemente ist Lukas in der Lage, seine innere Leere zu überwinden und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Er kann nun seine Potenziale entfalten und seinen Lebenssinn finden.



Möglicher detaillierter Ablauf einer Therapie

 

1. Sitzung:

  • Anamnese und Klärung des Anliegens
  • Einführung in das Konzept des inneren Kindes
  • Kontakt zum inneren Kind herstellen
  • Bedürfnisse des inneren Kindes verstehen

2. Sitzung:

  • Heilung der emotionalen Wunden des inneren Kindes
  • Stärkung des inneren Erwachsenen
  • Erlernen von Techniken zur Kontaktaufnahme mit dem inneren Kind im Alltag

3. Sitzung:

  • Schamanische Reise zur Krafttierfindung
  • Seelenrückholung
  • Rituale zur Stärkung der Verbindung zum inneren Kind

4. Sitzung:

  • Integration der Erfahrungen aus den vorangegangenen Sitzungen
  • Entwicklung eines Perspektivplans für die weitere Arbeit mit dem inneren Kind

5. und 6. Sitzung:

  • Vertiefung der Arbeit mit dem inneren Kind
  • Anwendung der erlernten Techniken im Alltag

7. Sitzung:

  • Abschluss der Arbeit mit dem inneren Kind
  • Reflexion der Erfahrungen und Erfolge

Zusätzliche Ressourcen:

  • Therapeutische Begleitung: Die Arbeit mit dem inneren Kind kann am besten mit Unterstützung eines erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden.
  • Selbsthilfebücher: Es gibt viele Selbsthilfebücher zum Thema Innere Kind Arbeit, die wertvolle Informationen und Übungen enthalten.
  • Online-Ressourcen: Es gibt auch viele Online-Ressourcen zum Thema Innere Kind Arbeit, wie z.B. Websites, Blogs und Videos.

 

Drittes Beispiel für Innere Kind Arbeit, diesmal mit schamanischer Leibarbeit:

Trommelreise zur Heilung eines Traumas

Situation:

Klientin A leidet unter Angstzuständen und Schlafstörungen. In der Sitzung berichtet sie von einem traumatischen Erlebnis in ihrer Kindheit, als sie im Alter von 6 Jahren von einem Hund gebissen wurde.

Ziel:

Die Angst vor Hunden auflösen und das traumatische Erlebnis heilen.

Methode:

Trommelreise:

  • Die Klientin liegt auf einer bequemen Matte und lauscht dem Rhythmus der Trommel.
  • Der Schamane führt die Klientin in die Anderswelt, an einen sicheren Ort, an dem sie sich geborgen fühlt.
  • An diesem Ort begegnet die Klientin ihrem inneren Kind, das noch immer traumatisiert ist von dem Biss des Hundes.
  • Mit Hilfe des Schamanen und der Kraft des Krafttieres der Klientin, einem Löwen, kann das innere Kind die Angst vor Hunden überwinden.
  • Das innere Kind und die Klientin im Erwachsenenalter umarmen sich und schließen Frieden mit dem vergangenen Erlebnis.

Leibarbeit:

  • Energetische Reinigung: Der Schamane reinigt das Energiefeld der Klientin mit Räuchern und Singen.
  • Harmonisierung der Chakren: Der Schamane gleicht die Chakren der Klientin aus, um den Energiefluss im Körper zu verbessern.
  • Körperarbeit: Der Schamane löst mit sanften Berührungen Blockaden im Körper der Klientin und fördert die Entspannung.

Ergebnis:

Nach der Sitzung fühlt sich die Klientin deutlich entspannter und befreiter. Sie hat keine Angst mehr vor Hunden und kann besser schlafen.


Hinweis:

Die schamanische Leibarbeit ist eine kraftvolle Methode, um emotionale Blockaden auf körperlicher Ebene zu lösen. Sie sollte am besten von einem erfahrenen Schamanen durchgeführt werden.


Wichtig:

Die hier beschriebenen Beispiele sind nur Beispiele. Der Prozess der Inneren Kind Arbeit und die Verwendung schamanischer Elemente kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Es ist wichtig, einen Therapeuten oder Schamanen zu finden, der mit einem Ansatz arbeitet, der zu dir passt.


Negative Effekte

 

Das Konzept des Inneren Kinds hat viele positive Aspekte, wie die Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen, zu heilen und zu wachsen. Allerdings gibt es auch einige potenzielle Nachteile oder Risiken, die man beachten sollte. Zum Beispiel:

  • Das Innere Kind kann zu einer Überidentifikation mit den kindlichen Gefühlen und Bedürfnissen führen, die die Entwicklung eines reifen Erwachsenen-Ichs behindert. Man könnte dann Schwierigkeiten haben, Verantwortung zu übernehmen, Grenzen zu setzen, Konflikte zu lösen oder sich an die Realität anzupassen

 

  • Das Innere Kind kann auch zu einer Abhängigkeit von anderen Menschen oder von therapeutischen Interventionen führen, die das Innere Kind ständig bestätigen, trösten oder erfüllen müssen. Man könnte dann die Fähigkeit verlieren, sich selbst zu regulieren, zu motivieren oder zu befriedigen

 

  • Das Innere Kind kann zudem zu einer Vermeidung von aktuellen Problemen oder Herausforderungen führen, die man lieber auf die Kindheit oder auf andere Personen projiziert. Man könnte dann die Chance verpassen, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen, zu lernen oder zu verändern

 

Diese negativen Aspekte sind jedoch nicht unvermeidlich oder unausweichlich. Sie können vermieden oder überwunden werden, wenn man das Innere Kind nicht isoliert oder idealisiert, sondern als einen Teil des eigenen Selbst integriert, der in einem dynamischen Austausch mit anderen inneren und äußeren Faktoren steht. Das erfordert eine Balance zwischen dem Inneren Kind und dem Erwachsenen-Ich, die sowohl die kindlichen als auch die erwachsenen Aspekte berücksichtigt und respektiert

 

 

Balance zwischen Innerem Kind und Erwachsenen Ich finden

Eine Balance zwischen dem Inneren Kind und dem Erwachsenen-Ich zu finden, ist eine Herausforderung, die viele Menschen beschäftigt. Es gibt keine einfache Formel oder Anleitung, die für jeden gilt, aber es gibt einige allgemeine Tipps, die dir helfen können, eine harmonische Beziehung zwischen diesen beiden Ich-Zuständen zu entwickeln. Zum Beispiel:

  • Erkenne dein Inneres Kind an und nimm es ernst. Dein Inneres Kind ist ein wichtiger Teil von dir, der dir viel über deine Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche verrät. Ignoriere es nicht oder verurteile es nicht, sondern höre ihm zu und versuche, es zu verstehen
  • Akzeptiere dein Inneres Kind mit all seinen Stärken und Schwächen. Dein Inneres Kind ist nicht perfekt und hat vielleicht Fehler oder Verletzungen, die es noch nicht überwunden hat. Nimm es an, wie es ist, und gib ihm die Liebe und Anerkennung, die es braucht
  • Integriere dein Inneres Kind in dein Leben. Dein Inneres Kind möchte nicht isoliert oder vernachlässigt werden, sondern Teil deiner Gegenwart und Zukunft sein. Lass es an deinen Entscheidungen, Aktivitäten und Zielen teilhaben und schaffe Raum für seine Kreativität, Spontaneität und Freude
  • Kommuniziere mit deinem Inneren Kind. Dein Inneres Kind braucht einen ständigen Dialog mit dir, um sich auszudrücken, zu lernen und zu wachsen. Sprich mit ihm, schreibe ihm Briefe, male oder spiele mit ihm. Finde heraus, was es dir sagen will und was es von dir braucht
  • Unterstütze dein Inneres Kind. Dein Inneres Kind braucht deine Hilfe, um seine Probleme zu lösen, seine Ängste zu überwinden und seine Potenziale zu entfalten. Sei für es da, wenn es dich braucht, und gib ihm die Sicherheit, den Schutz und die Führung, die es sucht.
  • Respektiere dein Erwachsenen-Ich. Dein Erwachsenen-Ich ist ebenfalls ein wichtiger Teil von dir, der dir viel über deine Realität, deine Vernunft und deine Verantwortung verrät. Übertreibe es nicht mit deinem Inneren Kind oder lasse es dich dominieren, sondern halte ein gesundes Gleichgewicht zwischen deinen kindlichen und erwachsenen Aspekten.


Diese Tipps sind nur einige Anregungen, die dir helfen können, eine Balance zwischen deinem Inneren Kind und deinem Erwachsenen-Ich zu finden. Du kannst sie an deine persönliche Situation und deine individuellen Bedürfnisse anpassen. Das Wichtigste ist, dass du dich selbst besser kennenlernst und dich selbst liebst, mit all deinen Facetten. 


von gdrucklieb • 15. September 2026
Wir haben uns in unserer modernen Welt daran gewöhnt, den Menschen aufzuteilen. Da ist der Körper, für den die Medizin zuständig ist. Da ist die Psyche, mit der wir zum Psychologen oder Psychotherapeuten gehen. Und irgendwo daneben befindet sich noch etwas, das wir Seele, Geist oder Spiritualität nennen und für das unsere Gesellschaft keinen ganz eindeutigen Ort mehr kennt. Diese Aufteilung ist praktisch und hat zweifellos dazu beigetragen, dass wir Krankheiten heute erkennen und behandeln können, an denen Menschen früher gestorben wären. Und doch entsteht dadurch ein merkwürdiges Bild vom Menschen, als bestünden wir aus verschiedenen Abteilungen, die möglichst wenig miteinander zu tun haben. Der Begriff Psychosomatik beginnt bereits, diese Trennung wieder infrage zu stellen. „Psyche“ und „Soma“, Seele beziehungsweise Geist und Körper, werden miteinander in Beziehung gesetzt. Wir wissen heute sehr genau, dass chronischer Stress nicht nur ein Gedanke ist. Angst findet nicht ausschließlich im Kopf statt. Trauer ist keine rein geistige Angelegenheit. All diese Erfahrungen verändern unseren Körper. Herzschlag, Atmung, Muskelspannung, Schlaf, Verdauung, hormonelle Prozesse und das autonome Nervensystem reagieren auf die Welt, in der wir leben, und auf die Art, wie wir diese Welt erleben. Ebenso wirkt der Körper zurück auf unser seelisches Erleben. Der Mensch ist kein Geist, der zufällig in einem Körper wohnt. Er ist ein lebendiges Ganzes. Und genau an dieser Stelle wird Psychosomatik aus schamanischer Sicht interessant. Denn in einem schamanisch geprägten Weltverständnis ist die Vorstellung eines isolierten Menschen ohnehin fremd. Der Mensch existiert nicht unabhängig von seiner Umgebung, seiner Gemeinschaft, seiner Geschichte und seinen Beziehungen. Er steht in Verbindung. Mit anderen Menschen, mit seiner Herkunft, mit den Tieren, Pflanzen und Landschaften, mit den Erfahrungen seines Lebens und schließlich auch mit jenen Bereichen seiner Existenz, für die unsere Sprache manchmal nur unzureichende Begriffe besitzt. Wenn wir den Menschen auf diese Weise betrachten, erscheint die Vorstellung plötzlich gar nicht mehr besonders außergewöhnlich, dass seelische Erfahrungen körperliche Spuren hinterlassen können. Wir kennen das schließlich alle aus unserem eigenen Leben. Angst kann uns den Magen zusammenziehen. Eine Nachricht kann uns im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen wegziehen. Trauer kann sich wie ein Gewicht auf die Brust legen. Unter dauerhafter Anspannung ziehen wir die Schultern hoch, pressen die Zähne zusammen oder schlafen schlecht. Niemand würde ernsthaft behaupten, diese körperlichen Reaktionen seien eingebildet. Der Körper nimmt an unserem Leben teil. Er erlebt unsere Geschichte mit. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Krankheit eine verborgene spirituelle Botschaft enthält. Gerade an dieser Stelle halte ich Vorsicht für notwendig. Mir begegnet in spirituellen Zusammenhängen immer wieder die Vorstellung, man müsse bei einer Erkrankung lediglich herausfinden, „was die Seele damit sagen möchte“. Rückenschmerzen werden dann zum Zeichen dafür, dass jemand zu viel trägt, Hauterkrankungen zu einem vermeintlichen Abgrenzungsproblem und schwere Erkrankungen schlimmstenfalls zum Ausdruck eines ungelösten seelischen Konflikts erklärt. Solche Deutungen können nicht nur medizinisch falsch sein, sondern für Erkrankte ausgesprochen verletzend werden. Denn plötzlich trägt ein Mensch neben seiner Krankheit auch noch die Vorstellung mit sich herum, er habe sie auf irgendeine Weise selbst verursacht. Eine schamanische Betrachtung, wie ich sie verstehe, sollte einen Menschen nicht kleiner machen und ihm keine Schuld geben. Sie sollte seinen Blick erweitern. Wenn mein Körper erkrankt, gehört deshalb zunächst die körperliche Ebene ernst genommen. Eine Infektion bleibt eine Infektion. Ein Bandscheibenvorfall bleibt ein Bandscheibenvorfall. Eine Autoimmunerkrankung lässt sich nicht dadurch wegdeuten, dass wir eine symbolische Erklärung für sie finden. Medizinische Diagnostik und Behandlung haben ihren Platz, und schamanische Arbeit sollte nicht versuchen, diesen Platz einzunehmen. Doch damit muss unsere Betrachtung des Menschen nicht enden. Wir können zusätzlich fragen, wie es diesem Menschen eigentlich in seinem Leben geht. Unter welchem Druck steht er? Wie schläft er? Welche Beziehungen nähren ihn und welche erschöpfen ihn? Wann hat er zuletzt wirkliche Ruhe erlebt? Gibt es Trauer, die keinen Raum bekommen hat? Gibt es Angst? Lebt dieser Mensch noch in einem Rhythmus, der seinem eigenen Wesen entspricht, oder funktioniert er seit Jahren gegen sich selbst? Hat er das Gefühl, zu seinem Leben zu gehören, zu anderen Menschen, zur Natur und letztlich zu sich selbst? Das Entscheidende dabei ist das Wort „zusätzlich“. Denn damit verändert sich die Perspektive. Wir suchen nicht mehr nach einer geheimen psychischen Ursache für jedes körperliche Leiden. Wir betrachten stattdessen das gesamte Geflecht, in dem ein Mensch lebt. Aus schamanischer Sicht würde ich dieses Geflecht noch weiter fassen. Unsere moderne Kultur hat Verbindung zu etwas gemacht, das wir offenbar gelegentlich herstellen müssen. Wir fahren am Wochenende in die Natur, um „wieder Verbindung zu bekommen“. Wir meditieren, um „bei uns anzukommen“. Wir besuchen Seminare, um unseren Körper wieder zu spüren. Allein diese Formulierungen erzählen bereits eine erstaunliche Geschichte. Offenbar empfinden viele Menschen ihren gewöhnlichen Alltag als einen Zustand, in dem genau diese Verbindung nicht selbstverständlich vorhanden ist. Ein schamanisches Weltverständnis würde die Frage möglicherweise vollkommen anders stellen. Nicht: Wie stelle ich Verbindung her? Sondern: Wie konnte ich vergessen, dass ich verbunden bin? Damit bekommt auch der Körper eine andere Bedeutung. Er ist nicht nur das biologische Fahrzeug, das uns möglichst störungsfrei durch unseren Alltag transportieren soll. Er ist die unmittelbarste Form unserer Beziehung zur Welt. Durch ihn frieren wir im Wind, riechen Erde nach einem Regenschauer, spüren die Hand eines anderen Menschen, erleben Angst, Lust, Erschöpfung, Geborgenheit und Schmerz. Der Körper befindet sich immer in der Gegenwart. Unser Denken kann zwanzig Jahre zurückreisen oder sich Sorgen über die nächsten zehn Jahre machen. Der Körper sitzt währenddessen hier. Das macht ihn auf eine eigenartige Weise ehrlich. Nicht unfehlbar und nicht mystisch allwissend, aber ehrlich in seiner Reaktion. Wer über Monate unter Spannung lebt, kann irgendwann feststellen, dass sein Körper diese Spannung längst übernommen hat. Die Schultern sind hochgezogen, der Kiefer angespannt, die Atmung flach. Der Mensch sagt möglicherweise noch: „Es geht schon.“ Sein Körper erzählt gleichzeitig: „Es ist viel.“ Darin liegt für mich eine der interessantesten Brücken zwischen moderner Psychosomatik und einer schamanischen Betrachtung des Menschen. Wir müssen den Körper nicht mystifizieren, um ihm zuzuhören. Und Zuhören bedeutet nicht automatisch Interpretieren. Wenn ich während einer schamanischen Arbeit meinen Körper bewusst wahrnehme und eine Enge in meiner Brust entdecke, muss ich daraus nicht sofort eine große Geschichte machen. Ich kann zunächst bei dieser Wahrnehmung bleiben. Wie fühlt sie sich an? Wann kenne ich dieses Gefühl? Was geschieht, wenn ich ihm Raum gebe? Welche Erinnerung taucht auf? Welches Bild? Welche Emotion? Oder geschieht überhaupt nichts? Manchmal ist eine Spannung eben eine Spannung. Und manchmal öffnet sich dahinter eine ganze Landschaft. Genau diese Offenheit scheint mir wesentlich zu sein. Der schamanische Weg muss nicht darin bestehen, für jedes Symptom eine Erklärung zu besitzen. Im Gegenteil. Eine ernsthafte spirituelle Praxis sollte unsere Fähigkeit erhöhen, das Nichtwissen auszuhalten. Wir begegnen dem, was da ist, bevor wir entscheiden, was es bedeutet. Dadurch verändert sich auch unser Verhältnis zu Krankheit. Krankheit ist dann weder Feind noch automatisch Lehrer. Auch die häufig gehörte spirituelle Behauptung, jede Krankheit sei eine Chance, empfinde ich als problematisch. Wer starke Schmerzen hat, schwer erkrankt ist oder um sein Leben fürchtet, braucht nicht zwingend jemanden, der ihm erklärt, welches Wachstumspotenzial darin verborgen liegt. Krankheit darf zunächst einfach Krankheit sein. Schmerz darf Schmerz sein. Und dennoch können wir uns fragen, was diese Erfahrung mit unserem Leben macht. Nicht: „Warum habe ich diese Krankheit erschaffen?“ Sondern: „Was zeigt mir mein gegenwärtiges Leben über mich?“ Das ist eine vollkommen andere Frage. Sie enthält keine Schuld. Sie öffnet einen Raum. Möglicherweise liegt genau dort die schamanische Dimension der Psychosomatik. Nicht in einer Tabelle, in der jedem Organ eine seelische Bedeutung zugeordnet wird. Nicht in der Behauptung, man könne Krankheiten durch die richtige spirituelle Erkenntnis beseitigen. Sondern in der Rückkehr zu einem Menschenbild, das den Menschen nicht auseinanderreißt. Körper, Psyche, Beziehungen, Biografie, Gemeinschaft, Landschaft und Spiritualität sind keine voneinander hermetisch abgeschlossenen Räume. Sie berühren und beeinflussen einander. Manche dieser Zusammenhänge können wir wissenschaftlich sehr gut beschreiben. Andere erleben wir subjektiv. Und wieder andere bleiben geheimnisvoll. Ein schamanischer Weg muss dieses Geheimnis nicht auflösen. Er kann uns vielmehr lehren, darin wieder aufmerksam zu werden. Wir müssen dafür nicht zurück in eine Vergangenheit, in der Krankheit ausschließlich mit Geistern, Flüchen oder unsichtbaren Mächten erklärt wurde. Ebenso wenig müssen wir in einem Menschenbild verharren, in dem der Körper lediglich eine Maschine ist, deren defektes Bauteil repariert werden muss. Zwischen diesen beiden Extremen liegt ein erstaunlich weiter Raum. Dort steht wieder ein Mensch. Ein Mensch mit einem Körper, einer Geschichte, Beziehungen, Ängsten, Erinnerungen, Wünschen und einer tiefen biologischen Zugehörigkeit zu dieser Welt. Ein Mensch, dessen Körper nicht gegen ihn arbeitet, nur weil er Symptome entwickelt. Und auch kein Körper, dessen jedes Symptom entschlüsselt werden müsste wie eine geheime Nachricht.  Manchmal braucht der Körper Medizin. Manchmal braucht die Psyche Unterstützung. Manchmal braucht ein Mensch Ruhe, Berührung, Gemeinschaft, Natur, Trauer, ein Ritual oder schlicht jemanden, der wirklich zuhört. Und manchmal braucht er mehrere dieser Dinge gleichzeitig. Für mich beginnt genau dort eine schamanische Sicht auf Psychosomatik: nicht mit der Suche nach einer spirituellen Erklärung für Krankheit, sondern mit der Erinnerung daran, dass der Mensch nie aus voneinander getrennten Einzelteilen bestanden hat. Dass unser Körper unsere Lebensgeschichte begleitet, unsere Umwelt auf uns wirkt und unser inneres Erleben nicht irgendwo außerhalb unserer Biologie stattfindet. Heilung bedeutet dann nicht zwangsläufig, dass jedes Symptom verschwindet. Heilung kann auch bedeuten, wieder in Beziehung zu kommen – zum eigenen Körper, zur eigenen Geschichte, zu anderen Menschen und zu jener lebendigen Welt, von der wir nie wirklich getrennt waren.
von Gunnar Drucklieb • 31. August 2026
Können wir in Europa echte Schamanen sein?